Menschen laufen mit Scheuklappen durch die Welt. Sie schauen nicht nach rechts, nicht nach links. Sie scheinen wie auf der Flucht zu sein. Kontakt mit dem Fremden bedeutet, den Schritt in die Unsicherheit zu wagen.

„Sitzen stehend Leute“ ist ein Ort, welcher Begegnungen schafft. Eine Kette, die mit ihren Gliedern flexibel verformbar ist, um der Divergenz menschlicher Kommunikation gerecht zu werden. Die Flexibilität unterstützt all die vorstellbaren Situationen unterschiedlichster Gespräche, um diesen eine Form zu schenken. Ähnlich wie die Gestik oder Mimik unterstreicht die Sitzgelegenheit das Gespräch. So wird es formal sichtbar und existiert noch für einen Moment länger, nachdem es beendet ist. Die Form ist der Nachlass des Gesprächs und soll dazu einladen, ein weiteres zu beginnen und ihm eine neue Form zu verleihen.
Manchmal braucht es nur einen kleinen Impuls, um Menschen miteinander Interagieren oder Sprechen zu lassen. Dieser Impuls soll „sitzen stehend Leute“ sein. Mit ihrer stetigen Veränderung und Verformung bewegt sie sich nicht nur spannend durch den Kontext, in dem all die Gespräche stattfinden, sondern macht auch neugierig darauf sie selbst zu verformen.

„Sitzen stehend Leute“ wurde von Amélie Ikas und Chris Walter entwickelt.
»Finster war's, der Mond schien helle
Auf die grünbeschneite Flur,
Als ein Wagen blitzesschnelle
Langsam um die Ecke fuhr.

Drinnen saßen stehend Leute
Schweigend ins Gespräch vertieft,
Als ein totgeschossner Hase
Schnell an ihn'n vorüberlief.

Und ein blondgelockter Knabe
Mit kohlrabenschwarzem Haar
Auf die grüne Bank sich setzte,
Die gelb angestrichen war.«


– Peter Ringeisen